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Aktuelle Situation

Frühjahr 2019

Startdüngung

Die warmen Temperaturen der letzten Wochen haben ja schon für einigen Betrieb in der Flur gesorgt. Panisch sollte man jedoch nicht werden. Die hohen Nmin-Werte im Herbst haben sich zum Teil nur unwesentlich verlagert. Die Niederschläge im Dezember und Januar, die zwar überdurchschnittlich waren (94 mm Dez 2018; 74 mm Jan 2019), konnten den Bodenvorrat nur unzureichend auffüllen. Gute Böden mit einer nutzbaren Feldkapazität von > 150 mm werden sicherlich nur wenig Sickerwasser zugelassen haben, sodass wesentlicher Stickstoff noch im oberen Bodenhorizont (bis 60cm) vorhanden ist. Eine Andüngung in den letzten Tagen mit Nitrat-Stickstoff ist in den meisten Fällen sicherlich nicht zu empfehlen gewesen. Ammoniumhaltige Dünger wie Piamon und/oder SSA konnten ggf. ausgebracht werden (vor allem zu Raps). Eine organische Düngung sollte bei guter Befahrbarkeit der Böden passiert sein.

 

Die Wintergerste ist auf vielen Standorten gelb. Das liegt zum Teil an der enormen Blattentwicklung vor dem Winter und den aus den Frosttagen resultierenden Blattverlusten. Aber auch die noch recht kühlen Bodentemperaturen tragen dazu bei. Auch wenn es tagsüber schon recht warm war, so wurde es nachts doch noch frostig. Die Bodentemperaturen kamen bisher insgesamt nicht über 4,5 Grad. Daher ist noch wenig Aktivität im Boden. Das stellt die Gerste zum jetzigen Zeitpunkt jedoch vor keinerlei Probleme. Es sollte in jedem Falle nicht mit einer N-Düngung darauf reagiert werden, denn Stickstoffmangel wird es aktuell wahrscheinlich nicht sein.  Mangan sollte jedoch bei der nächsten PS-Maßnahme in Betracht gezogen werden – 250g Mn/ha –

 

Die hohen Frühjahres-Nmin-Werte (N-Vorrat im Boden im Herbst; N-Umsetzung zum Ende der Vegatation)) sollten in jedem Fall berücksichtigt werden auch vor dem Hintergrund der Düngebedarfsermittlung und des Nährstoffvergleichs. Die Rapsbestände sollten ertraglich richtig eingeschätzt werden, um eine (erneute) unnötige Erhöhung des N-Saldos in diesem Jahr zu vermeiden.

 

Die Startgabe bei Gerste sollte nicht mehr als 40 kgN/ha betragen, da die Gerste meist sehr gut entwickelt in den Winter ging und eine reiche und tiefe Wurzelbildung generiert hat, sodass sie sich den vorhandenen Stickstoff gut aneignen kann. Die zweite Gabe zum Schossen sollte möglichst so terminiert werden, dass die Bestände nicht zu dicht werden. Dies fördert Krankheiten und erhöht die Konkurrenz um Wasser. Es sollte die Triebreduktion abgewartet werden um schwache Triebe zweiter und dritter Ordnung nicht durchzubringen.

 

Bei Weizen kann die Startgabe etwas höher ausfallen (50-60 kgN/ha), da die Wurzeltiefe in vielen Beständen noch nicht so voran geschritten ist, wie bei Gerste. Auch hier wird sich der Weizen dann später den bodenverfügbaren Stickstoff aneignen können, sodass dies im weiteren Verlauf der Vegetation berücksichtigt werden muss, vor allem im Hinblick auf die Bestandesdichte (siehe Gerste).

 

Bestandesdichte Wintergerste:

Mehrzeilig Ähren/m²
Einzelährenertragstyp 500-550
Korndichtetyp 450-550
Bestandesdichtetyp 500-600
Zweizeilig  
Bestandesdichtetyp 1000-1100
Korndichtetyp 900-1000

 

Mikronährstoffe Mikro_Düng

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herbst 2018

Mikronährstoffe und Ausbringung von Düngemitteln mit wesentlichem N-Gehalt

Mikronährstoffe zu Raps und Wintergetreide fördert die Vorwinterentwicklung und steigert die Winterfestigkeit. Die aktuell warmen Bedingungen und die Feuchtigkeit durch vergangene Niederschläge sowie die Taubildung bilden noch günstige Wachstumsbedingungen, sodass auch schwach entwickelte Rapsbestände noch aufholen können. Hier ist eine Bor-Gabe besonders wichtig, um die Wurzelentwicklung zu pushen. Es empfiehlt sich eine Gabe von 200 g Bor/ha.

 

Im Getreide (vor allem bei der Gerste) steht Mangan im Vordergrund. Aber auch Kupfer kann einen wesentlichen Beitrag zur Winterhärte leisten. Bei der Wintergerste empfiehlt sich eine Gabe von 250 g Mangan/ha. Alle anderen Wintergetreide können mit 150-200 g Mangan/ha behandelt werden. 50 g Bor/ha zur Wurzelbildung sowie 30 g Kupfer/ha sind von Vorteil.

 

Einige dieser Nährstoffe finden sich in Blattdüngern in Verbindung mit Stickstoff wieder. Der Gehalt an Stickstoff in diesen Düngemitteln bewegt sich häufig zwischen 3-5 % N in der Frischmasse. Dem zur Folge werden nach DüV die Grenzwerte für wesentliche Stickstoffgehalte von 1,5 % N in der TM überschritten. Auf Grund der Spurennährstoffdünger ist davon auszugehen, dass es sich um „passiven“ Stickstoff handelt. Das bedeutet, dass dieser Stickstoff Bestandteil chemischer Verbindungen ist. Als Beispiele wären hier Mangannitrat, Borethanolamin bzw. alle chelatisierten Mikronährstoffe zu nennen. Dieser Stickstoff zählt damit als unvermeidbarer Bestandteil des Anwendungsmittels.

 

Somit zählt der so ausgebrachte Stickstoff nicht als Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff und darf somit eingesetzt werden.

 

Herbstdüngung

Eine Stickstoffdüngung in diesem Herbst ist nicht notwendig. Durch die lang anhaltende Trockenzeit (niedrige Erträge, geringe Mineralisation, geringe N-Ausnutzung) ist der N-Vorrat im Boden mehr als ausreichend. Dies gilt auch bei Immobilisierung pflanzenverfügbaren Stickstoffs durch Mikroorganismen zur Strohrotte. Durch die lang erwartenden Niederschläge beginnt nun die Vegetation in Gang zu kommen. Die zuvor gehemmte Mineralisation startet nun verstärkt und setzt Stickstoff frei. Tagsüber herrschen im Moment gute bis sehr gute Wachstumsbedingungen, sodass eine optimale Vorwinterentwicklung erreichbar ist, sollte es Nachts nicht dauerhaft zu kalt werden. In der Wintergerste empfiehlt es sich 250 g Mn/ha auszubringen um die Winterfestigkeit zu stärken (ca. BBCH 14). Bei anderen Wintergetreiden kann auf eine Mikronährstoffdüngung im Herbst verzichtet werden (keine signifikante Senkung der Auswinterungsrate in Versuchen nachweisbar). Im Raps sollte 200 g B/ha gegeben werden um die Winterhärte zu verbessern (besonders bei schwachen Beständen!).

 

Wichtige Information zur organischen Düngung und Anbauplanung!

Eine organische Düngung zur Zwischenfrucht ist nur zulässig bei einer Aussaat bis zum 15.09. Bei der anhaltenden trockenen Witterung der letzten Wochen, wird noch nicht viel Aufwuchs vorhanden sein. Sollte auch nach dem erhofften Regen, der Aufgang deutlich geringer sein als erwartet (Samen/Keimling im Boden vertrocknet), kann eine zusätzliche Ausbringung von Senf, sofern dies die Fruchtfolge zulässt, eine günstige Variante sein (Ausbringung mit Streuer), noch etwas Stickstoff aus dem Boden zu binden.

Auf Rapsflächen, die organisch gedüngt wurden, ist ein Umbruch noch vor dem Winter nicht zulässig (es sei denn, Aussaat Wintergerste bis 01.10). Hier wird empfohlen, den spärlichen Raps als Zwischenfruchtaussaat laufen zu lassen, um eine organische Düngung rechtfertigen zu können. Auch hier ist eine zusätzliche kostengünstige Ausbringung von Senf möglich, um noch etwas Stickstoff zu binden. Im Frühjahr kann dann eine Sommerung angebaut werden.

Ist die organische Düngung auf Flächen geschehen die für die Rapsaussaat gedacht waren, die Aussaat auf Grund der Trockenheit jedoch ausblieb, gibt es nur die Möglichkeit bis zum 01.10 Wintergerste auszubringen (Düngung zu Gerste nach Getreidevorfrucht möglich!). Weitere Möglichkeiten eine bereits geschehene Düngung zu rechtfertigen, gibt es nicht.

Generell sollte bei der Ausbringung von Düngern im Herbst ein Düngebedarf vorliegen. Vor diesem Hintergrund ist darauf hinzuweisen, dass durch die Trockenheit (geringe Mineralisation, geringe Umsetzung von Düngemitteln) und die zum Teil niedrigen Erträge auf vielen Schlägen ausreichend Stickstoff im Boden vorhanden ist.

 

 

 

Juni-August

 Witterung

Das Erntejahr 2018 ist in jeder Hinsicht ein Ausnahmejahr. Die Herbstbestellung 2017 fand zum Teil unter sehr feuchten Bedingungen statt. Teilweise konnten ganze Abschnitte nicht bestellt werden. War der Jahresbeginn noch mild und verregnet, kam dann der Winter, der sich bis April zog und so zu einem späten Vegetationsbeginn führte. Die Durchschnittstemperatur im März betrug 2,5 °C (Min. -11,1 °C). In der zweiten Aprilwoche ging dann jedoch schlagartig der „Sommer“ los. Temperaturen über 15 °C, Bodentemperaturen in 5 cm von > 9 °C. Die Maxiumwerte kletterten auf 29 °C! Echte Abkühlung kam danach kaum noch.

 

 

März

April

Mai

Juni

Juli

Boden 5cm MW

4,5

13,2

18,0

18,7

20,4

Temp. MW

2,5

12,8

16,1

18,3

20,8

Min

-11,1

-3,5

-0,5

8,2

7,8

Max

18,7

29,0

30,7

31,6

35,1

 

Der wassergesättigte Boden und die hohen Temperaturen sorgten zunächst für einen Wachstumsschub. Doch im Folgenden blieben Niederschläge rar. Häufig kam Regen dann nur im Zusammenhang mit Unwetter, sodass innerhalb kürzester Zeit zum Teil mehr als 25 mm Regen kamen. Dadurch stimmt in den Monaten April und Mai zwar noch die Regensummen im Vergleich zum Mittel der letzten 17 Jahre. Die Niederschlagsverteilung ist allerdings äußerst ungünstig gewesen zumal der Boden solche Mengen in kurzer Zeit gar nicht aufnehmen kann und es vereinzelt zu erheblichen Erosionsereignissen gekommen ist.

 

Monatssummen

in mm

April

Mai

Juni

Juli

Niedergude

32,1

39,2

6,2

19,8

Eichhof

39,8

65,1

18,6

12

Breitzbach

22

66,4

1,8

16,5

Renda

35,5

62,5

30

15,5

Mittel (1990-2017)

44,9

67,2

63,6

90,7

 

Ab Juni begann dann die Trockenheit. Der Juli brachte keine 20 mm. Dabei ist er mit im Durchschnitt 90 mm der niederschlagreichste Monat.

 

 

 

N-Nachlieferung / N-Pool im Boden

Die Trockenheit in Verbindung mit hoher Sonneneinstrahlung und den hohen Temperaturen sorgten für eine frühe Abreife. Die Ernteerträge waren auf Grund der Witterung im Allgemeinen unterdurchschnittlich. Auf guten Böden mit hoher Wasserspeicherkapazität konnten zwar auch dieses Jahr hohe Erträge erzielt werden, im Durchschnitt jedoch fielen die Erträge hinter den Erwartungen zu Jahresbeginn zurück. Ein Lichtblick stellen die hohen Qualitäten und die im Moment hohen Marktpreise dar.

Der Raps, eh schon zumeist schlecht in den Winter gekommen, kam durch mangelnde Wurzelentwicklung (auf Grund der Nässe vor Winter) mit dem Stress durch den „Temperaturumsturz“ nicht zurecht. Der frühe Schaderregerbefall tat hier und da sein übriges dazu, sodass die Rapserträge mit den eh schon niedrigeren Erwartungen nicht mithalten konnten.

Auswirkungen:

  1. Die Ertragserwartung, die in der Düngebedarfsermittlung angegeben wurde, wurde häufig nicht erreicht (v.a. beim Raps). Das heißt, sollte man den Düngeraufwand nicht rechtzeitig reduziert haben, steigt das Bilanzsaldo à Grenzwert: 50 kg N/ha und Jahr! Dies sollte man im nächsten Jahr berücksichtigen!
  2. Die N-Effizienz ist durch mangelnde Wirkung niedrig. Es ist also noch Stickstoff aus dem Mineraldünger im Boden und nach Befeuchtung leicht/sofort verfügbar
  3. Durch die Trockenheit sind viele Bodenaggregate aufgebrochen und erhöhen so die Verfügbarkeit von organischer Substanz, da diese nun schneller/leichter durch Mikroorganismen abgebaut werden kann (Mineralisierung)
  4. Durch den Mangel an Bodenwasser ist die mikrobielle Aktivität nahezu zum Erliegen gekommen, sodass ein Mineralisationsstau herrscht

 

  • Sollte es nun zu einer Wiederbefeuchtung durch Regen kommen, ist mit einem exponentiellen Anstieg der mikrobiellen Aktivität zu rechen und somit auf eine erhöhte N-Freisetzung zu schließen!

Die gesteigerte N-Freisetzung und die Verfügbarkeit von mineralischen N-Verbindungen werden zu erhöhten Herbst Nmin-Werten führen!

 

Vor diesem Hintergrund  (erhöhter N-Pools im Boden) und der Belastung der Nährstoffbilanz sollte eine zusätzlich N-Düngung im Herbst unterlassen werden (in der Wintergerste ganz, in Winterrapsbeständen und zu Zwischenfrüchten nur bei Bedarf).

 

 

 

Philipp Pfister, AGLW, Tel.:06623 933207

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