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Veröffentlichungen der AGLW

 

Düngerkonto und N-Saldo des Betreibes optimieren (LW 23/2018)

 

 

 

Was steckt in der Zwischenfrucht? (LW 12/2018)

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Gesamt-Stickstoff im Boden verdient stärkere Beachtung (LW 41/2017)

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Einfluss von Landnutzung und Niederschlag auf das Vorkommen von Escherichia Coli im Grundwasser (Wasser&Boden 11/2002)

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Landwirtschaftsberatung in Wasserschutzgebieten

 

von Dr. Wolff-Günther Gebauer und Dr. Jörg R. Blaschke

Einführung

Steigende Nitratgehalte im Trinkwasser des Kreises Hersfeld-Rotenburg sowohl in Quellen als auch in Tiefbrunnen waren für die Wasserwerksbetreiber Anlaß, über die Sicherung der Trinkwasservorkommen nachzudenken. Als einer der Verursacher wurde in dem ländlich geprägten Kreis die Landwirtschaft angesehen. Vor dem Hintergrund, daß umweltwirksame Verhaltensänderungen bei der Landbewirtschaftung nur dann zu meßbaren Ergebnissen führen können, wenn sie in großem Maßstab von möglichst vielen Landwirten umgesetzt werden, bieten sich zwei Vorgehensweisen an:

Durch gesetzgeberische Eingriffe kann versucht werden, Verhaltensänderungen zu erzwingen. Dies erfordert jedoch Kontrollmaßnahmen, die nur mit großem Zeit- und Kostenaufwand zu bewerkstelligen sind und zu erheblichen Widerständen bei den Landwirten führen.

Die gewünschte Verhaltensänderung kann aber auch durch eine breit angelegte Beratung der Landwirte erreicht werden, da das öffentliche Interesse „Wasserschutz“ in der Regel mit den ökonomischen Zielen des Landwirts übereinstimmt (z. B. Düngeoptimierung, Betriebsmitteleinsparung). Durch diese Interessenkonformität kann der Kontrollaufwand minimiert und die aktive Mitarbeit des Landwirtes gewonnen werden.

Angeregt durch Ergebnisse eines zweijährigen Pilotprojektes am Amt für Regionalentwicklung, Landschaftspflege und Landwirtschaft Bad Hersfeld (ARLL), entschieden sich die Wasserwerksbetreiber, das Gespräch mit den Landwirten zu suchen. Zu diesem Zweck schlossen sich 12 Gemeinden, der Landkreis Hersfeld-Rotenburg, ein Wasserbeschaffungsverband sowie der Kreisbauernverband zu der „Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft im Kreis Hersfeld-Rotenburg“ zusammen. Diese stellte einen Berater ein, der nach einer Dringlichkeitsanalyse die Beratung zunächst jener Landwirte intensivieren sollte, die Flächen in besonders gefährdeten Gebieten bewirtschaften. Darüber hinaus sollte aber auch das Gespräch mit den übrigen Landwirten gesucht werden, um die Trinkwasserqualität aller Gewinnungsanlagen langfristig zu sichern. Aus dieser inzwischen 4jährigen Tätigkeit ergaben sich Erfahrungen, die im folgenden zusammengefaßt werden sollen.

2. Konzept zur Prioritätenfestlegung

Bereits mit Beginn der Tätigkeit zeigte sich, daß sowohl die Haupt- als auch die Nebenerwerbslandwirte einer intensiven Beratung offen gegenüberstanden. Voraussetzung für diese Offenheit war jedoch das persönliche Gespräch in dem Betrieb. Da innerhalb der Arbeitsgemeinschaft mehr als 50 Gebiete um Wassergewinnungsanlagen mit rund 700 verschiedenen Betriebsleitern zu betreuen sind, stößt diese Art der Beratung jedoch schnell an zeitliche und finanzielle Grenzen. Es galt also, ein Konzept zu entwerfen, das den besonderen Anforderungen an die Beratung in Wasserschutzgebieten gerecht wird.

Der erste Schritt im Rahmen des Konzeptes war die Erstellung einer Rangfolge aller Wasserschutzgebiete (WSG) zur Ermittlung des Beratungsbedarfes (Dringlichkeitsanalyse). Hierzu wurde anhand verfügbarer Meßergebnisse die Steigung des Nitratgehaltes (in mg/l und Jahr) im Rohwasser der jeweiligen Wassergewinnungsanlage errechnet sowie die aktuelle absolute Höhe herangezogen. In den besonders gefährdeten WSG wurden anschließend alle Landwirte angesprochen und für die jeweiligen Betriebe N-Hoftor- und N-Flächenbilanzen erstellt.

Über diese Bilanzen, die, mit relativ geringem Datenmaterial und EDV-gestützt, innerhalb von etwa einer Stunde je Betrieb erstellt werden können, wurden sehr schnell Problembetriebe bzw. Problemkulturen erkannt. In den ermittelten Betrieben erfolgte kurzfristig eine gezielte Düngeberatung u. a. über Nmin-Untersuchungen (Bild 1) und die Erstellung von Düngerverteilplänen. Die Nmin-Beprobung ausgewählter Schläge wurde nach kurzer Einarbeitung von Gemeindearbeitern übernommen. Dadurch konnte innerhalb weniger Tage eine große Zahl von Proben gewonnen werden, die, überbetrieblich ausgewertet, auch anderen Landwirten als Grundlage bei der Frühjahrsdüngung dienten. Bei der Erläuterung der erzielten Ergebnisse kam es in der Regel zu einem intensiven Beratungsgespräch. Eine Düngebedarfsplanung wurde wegen des hohen Zeitaufwandes (ca. 2 Betriebe täglich) nur für ausgewählte Problembetriebe durchgeführt.

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Bodenprobeentnahme mit der Entnahmeraupe für die Nmin Bestimmung

Wünschenswert wäre es, wenn auf Ortsteilebene möglichst viele landwirtschaftliche Betriebe mit EDV-Geräten ausgestattet sind, die gegen ein geringes Entgelt für Berufskollegen ohne entsprechende Ausstattung eine Düngeplanung vornehmen könnten. Das ARLL Bad Hersfeld formulierte hierzu Verfahrensgrundsätze für die „Modellhafte Ausstattung von landwirtschaftlichen Betrieben mit Datenverarbeitungsgeräten zur Erstellung von Düngeplänen“, über die aus dem „Operationellen Programm der EG zur Förderung ländlicher Gebiete nach Ziel 5b“ die Anschaffung solcher EDV-Anlagen mit 40 % Zuschuß gefördert werden konnte. Weitere 10 % der Kosten übernahm der Kreis Hersfeld-Rotenburg. 44 Landwirte machten von diesem Angebot Gebrauch.

3. Demonstration und Beratung

Zur Förderung der Akzeptanz des Beratungsangebotes wurden ferner Demonstrationsflächen angelegt, die die Wirkung verschiedener – darunter auch der vorgeschlagenen – Maßnahmen verdeutlichen sollten. Derlei Anbaubeispiele wurden in mehreren Gemeinden des Kreises verteilt und besonders bei von ihren Berufskollegen anerkannten Landwirten angelegt. Während der Sommermonate dienten diese Flächen bei Feldbegehungen zur Anschauung. Außerdem wurden Erträge und nach der Ernte Nmin-Gehalte ermittelt. Diese wurden bei den in den Wintermonaten stattfindenden Versammlungen als Daten- und Diskussionsgrundlagen genutzt.

Diese abendlichen Winterveranstaltungen wurden durch Massenberatungsangebote vorbereitet. Diese erfolgten in Form von Rundschreiben, die praktische Hinweise zu aktuellen Themen der Region beinhalten, (z. B. Gülleeinsatz bei Silomais, Düngeempfehlungen zum Anbau von Raps und Hybridroggen, Hinweise zur Begrünung von Stillegungsflächen sowie Zwischenfruchtanbau etc.) Veröffentlichung regionaler Ergebnisse im landwirtschaftlichen Wochenblatt durch die in dieser Region tätigen und bekannten Berater.

Durch dieses Angebot konnten sowohl die Veranstaltungen als auch die Einzelberatungen effizienter gestaltet werden, da ohne Umschweife auf besondere Fragestellungen eingegangen werden konnte. Außerdem ergänzten und verstärkten solche Massenberatungsangebote die Beratungswirkung beim Landwirt. So benutzten Landwirte in der Diskussion plötzlich Argumente, die vorher in den Veröffentlichungen verwandt wurden.

Zu den Abendveranstaltungen wurden gemeinsam mit dem ARLL Bad Hersfeld, sämtliche Bewirtschafter gemeindeweise eingeladen. Dabei wurden die auf örtlicher Ebene gewonnenen Ergebnisse vorgestellt, Problembereiche herausgestellt und Lösungen vorgeschlagen. Anhand der lebhaften Diskussionen zeigte sich, daß das ortsnah erhobene, aber anonym vorgestellte Datenmaterial weitaus interessierter aufgenommen wurde als Ergebnisse, die aus anderen Regionen stammten.

Als Nachteil gemeindebezogener Veranstaltungen stellte sich heraus, daß die Gruppen oft inhomogen (Rinder- u. Schweinehalter, Haupt- und Nebenerwerbslandwirte) sind und der Ausbildungsstand sehr verschieden ist. Bei einer weiteren Aufgliederung in Einzelgruppen sind diese jedoch nicht intensiv zu betreuen. Aus diesem Grunde wurden die gemeindebezogenen anderen möglichen Gruppierungen vorgezogen. Als Vorteil gemeindebezogener Veranstaltungen erwies sich vor allem, daß sich die Landwirte untereinander kennen und vom gleichen Problem betroffen sind. Darüber hinaus gelingt es bei solchen Veranstaltungen leichter, die kommunalen Gremien zur finanziellen Unterstützung der Beratungstätigkeit zu bewegen.

Nach den ersten Veranstaltungen konnte die interessante Beobachtung gemacht werden, daß im Teilnehmerkreis eine zunehmende Sensibilisierung für die dargelegten Probleme stattfand. Dies äußerte sich z. B. darin, daß verstärkt nach den genauen Abgrenzungen der WSG oder nach den Ergebnissen der auf den eigenen Flächen genommenen Bodenproben zur Ermittlung des Düngebedarfes gefragt wurde. Auch wurde das eigene Handeln sowie das der anderen Teilnehmer kritischer als früher diskutiert.

4. Schlußfolgerungen

Aus den praktischen Erfahrungen der Beratung können drei verschiedene Akzeptanzniveaus herausgestellt werden:

1. Empfehlungen werden kaum umgesetzt;

  • wenn sie nicht praxisgerecht aufgearbeitet sind,
  • soweit sie nur gelegentlich und ohne Nachdruck angesprochen werden,
  • wenn der Berater aus fachlichen oder persönlichen Gründen abgelehnt wird bzw. den Landwirt nicht überzeugt hat.

2. Empfehlungen werden zögernd umgesetzt;

  • wenn Erfolge nicht direkt gesehen werden,
  • wenn sie Zeit bzw. Arbeit verursachen (z. B. Bodenproben, Schlagkarteien),
  • wenn sie Kosten (auch geringe) verursachen und ein ökonomischer Nutzen nicht gleich sichtbar wird (z. B. Winterzwischenfruchtanbau).

3. Empfehlungen werden schnell umgesetzt,

  • wo Erfolge umgehend sichtbar werden (im landtechnischen Bereich, bei Sortenempfehlungen, beim Pflanzenschutz),
  • wenn sie nachweislich ökonomisch sind,
  • wenn sie dem Trend entsprechen und der Landwirt dadurch eine ähnliche Empfehlung mehrfach gesehen, gelesen oder gehört hat,
  • wenn der Betriebsleiter Erfahrungen von Nachbarn kennt, bzw. Erkenntnisse aus ortsnaher Anschauung (z. B. Demonstrations- und Versuchsflächen) gewonnen hat,
  • wenn die Beratungsempfehlung weitgehend seinen eigenen Überlegungen entspricht.

Insgesamt zeigte sich, daß die im Bild 2 dargestellte Vorgehensweise geeignet ist, bei begrenzter Beratungskapazität innerhalb kurzer Zeit Beratungsansätze zu liefern und fundierte Beratungsempfehlungen auszusprechen. Besonders vorteilhaft bei dieser Vorgehensweise erscheint das schnelle Erkennen von Problembetrieben, Problemflächen und Problemkulturen sowie die hohe Akzeptanz durch die auf kommunaler Ebene gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse.

 

 

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